Schweren Herzens nimmt der Förderverein Abschied von Conrad Doose, 22 Jahre Vorsitzender unseres Vereins.

Conrad Doose

Kein Wort charakterisiert Conrad Doose besser als "inspirierend"! Er war unser aller Vorbild im Vorstand. Vorbild in seinem Wissen um die Gedankenwelt der Renaissance, um das Wirken der Architekten in Jülich von Pasqualini bis von Schöfer. Er konnte die Dinge in ihre größeren Zusammenhänge stellen und verstand es insbesondere, sie in seiner ruhigen, klar strukturierten Diktion mit seiner sonoren Stimme brillant zu vermitteln. Er wusste die Menschen zu begeistern für die Jülicher Geschichte und die Architektur des Wiederaufbaus, für die herausragende kultur-
historische Stellung Jülichs als stadthistorisches Denkmal von europäischem Rang. Das alles wäre zwar informativ gewesen, aber doch folgenlos geblieben. Die Tatsache, dass Conrad Doose das Erscheinungsbild Jülichs geprägt hat wie nur wenige seit dem Wiederaufbau, verdanken wir seinem Ideenreichtum, seiner Begeisterungs- und Motivationsfähigkeit, seiner Bereitschaft zum unermüdlichen Bohren dicker Bretter und seiner Fähigkeit, sich in typisch norddeutschem Understatement beharrlich für die Interessen des Denkmalschutzes einzusetzen.

1932 in Ostholstein geboren, kam Conrad Doose nach seinem Studium des Maschinenwesens an der TH Hannover und einem Forschungsaufenthalt in den USA an die damalige Kernforschungsanlage Jülich, wo er zuletzt Leiter der Zentralen Werkstätten war. Bereits in der Schule an Geschichte und Architektur interessiert, fand er in seiner neuen Heimatstadt den Weg zum Förderverein und den lokalen renaissancezeitlichen Hintergrund. Zunächst für die Pressearbeit zuständig wurde Conrad Doose 1991 zum stellvertretenden Vorsitzenden und 1993 in der Nachfolge von Adi Retz zum Vorsitzenden gewählt.

Als reiner Autodidakt war er immer rastlos auf der Suche nach neuen Fakten, neuen Erkenntnissen, neuen Dokumenten, neuen Zusammenhängen und neuen Formen ihrer Vermittlung. So wundert es nicht, dass mit seinem Namen große Erfolge verbunden sind. Zu nennen sind hier beispielhaft die Zitadellenfeste, von denen das zweite unter 800 Bewerbern bei der EU-Kommission die Auszeichnung "Kulturbühne Europas 1991" gewann, die Feierlichkeiten rund um das Pasqualini-Jahr 1993, die Pasqualini-Symposien, das "Virtuelle Jülich", die Wiederentdeckung der "dritten Stadtgründung" durch von Schöfer im Wiederaufbau der Nachkriegszeit (Pasqualinische Altstadt) und sich daraus entwickelnd der Beschluss der Denkmalbereichs-
satzung durch den Jülicher Rat, die Unterdenkmalschutzstellung u.a. des alten und neuen Rathauses, das Mahnmal für die Trümmerfrauen, die umfangreiche Dokumentation zur Deutschordens-Kommende Siersdorf, die Restaurierungen von Schloss Hambach sowie zahlreiche Artikel, Informationsschriften, Bücher für ein breites Publikum bis hin zu Fachbüchern und wissenschaftlichen Arbeiten. In zahlreichen Führungen begeisterte er Einwohner und Besucher für die Festung Zitadelle, insbesondere für die herausragende Architektur der Schlosskapelle. Ebenso führte er etliche Jahre um und durch Burg Engelsdorf, deren Restaurierung ihm ein Herzensanliegen war. Unermüdlich kümmerte er sich um den Stand des Fördervereins bei Stadtfesten oder dem "Tag des offenen Denkmals", um die Öffentlichkeit für die Geschichte und Architektur Jülichs zu interessieren.

Im Jahre 2015 trat Conrad Doose zurück ins 2. Glied als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Im selben Jahr wurde der Verein im Namen der Bundesregierung durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz in Anerkennung seiner Arbeit für Jülich mit dem "Deutschen Preis für Denkmalschutz 2015" ausgezeichnet. Diese Würdigung unterstreicht die Lebensleistung Conrad Dooses. Doch trotz auch lokaler Preise für ihn, im Jahre 2000 der "Rheinlandtaler" des Landesverbandes Rheinland, 2006 der "Goldene Apfel" der Jülicher Werbegemeinschaft und 2010 die „Joseph-Kuhl-Medaille” der gleichnamigen Jülicher Gesellschaft, fand seine Lebensleistung auf der lokalen Ebene zunehmend weniger Anerkennung und Niederschlag in den Entscheidungen von Rat und Verwaltung.

Conrad Doose war es vergönnt, bis zuletzt an seinen Zielen zu arbeiten. Ganz besonders wichtig war ihm, das Abschlusswerk seines kongenialen Freundes und Weggefährten, Professor Jürgen Eberhardt, über Pasqualini und sein Wirken in Jülich als Herausgeber zusammen mit Guido von Büren fertig zu stellen. Das ist in einem großen Kraftakt gelungen; das wunderbare Buch ist im November erschienen. Im Dezember erhielt Conrad Doose den MinervaPreis des Fördervereins Museum Jülich e.V. für sein "bemerkenswertes Engagement" um die pasqualinische Idealstadtanlage der Renaissance. Diese anerkennenden Worte hörte er zwar mit Genugtuung, aber Zweifel beschlichen ihn doch, ob sein Wirken auch langfristig Bestand haben würde. So blickte er bis zuletzt mit großer Sorge auf Rat und Verwaltung, ob diese im Rahmen des Integrierten Handlungs-
konzeptes dem kulturhistorischen Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt die adäquate Beachtung schenken würden. Es ist dem Förderverein Verpflichtung, diesem bedeutenden Erbe von Conrad Doose im ständigen Ringen mit gegenläufigen Interessen zu dem ihm zukommenden Respekt zu verhelfen.

Wir und vor allem unsere Stadt haben Conrad Doose viel zu verdanken! Conrad wird immer einen besonderen Platz in unseren Herzen einnehmen.

Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden des Abschieds bei seiner ihn stets nach Kräften unterstützenden Frau Friederike und seiner ganzen Familie.

 

Das letzte Werk von Conrad Doose als Herausgeber

Autor: Jürgen Eberhardt

"Alessandro Pasqualinis Entwurfsmodell von 1545
für den Renaissance-Neubau der herzoglichen Residenz zu Jülich"

Conrad Doose
hrsg. v. Conrad Doose und Guido von Büren im Auftrag des Fördervereins »Festung Zitadelle Jülich e.V.« und des Jülicher Geschichtsvereins 1923 e.V.

Die für Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (1516–1592) errichtete Zitadelle Jülich ist ein heraus-
ragendes Zeugnis italienischer Architekturvorstellungen der Renaissance in Nord-Westeuropa. Da sich kein zeit-
genössisches Planmaterial des Architekten Alessandro Pasqualini (1493–1559) erhalten hat, kommt dem in zwei Fotografien dokumentierten Entwurfsmodell aus dem Jahr 1545 ein besonderer Quellenwert zu. In der vor-
liegenden Studie wird dieses Modell einer umfassenden Analyse im Hinblick auf die geometrischen Grundlagen des Planungsprozesses unterzogen. Daraus ergeben sich weiterführende Überlegungen zu den mathematischen und philosophischen Hintergründen der pasqualinischen Architektur in Jülich, die auch die gesamte fünfeckige „Idealstadtanlage der Renaissance“ berücksichtigen.

Damit schlägt die Studie einen Bogen zur ersten Untersuchung des Autors Jürgen Eberhardt über Jülich aus dem Jahr 1978 zurück, der durch die jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem baukulturellen Erbe einer der intimsten Kenner der historischen Stadtgestalt Jülichs ist. Ausblickend wird danach gefragt, wie zukünftig mit diesem Erbe aus denkmalpflegerischer und architekturhistorischer Sicht umzugehen ist.

 Zur ausführlichen Buchvorstellung

 Aachen: Ammianus Verlag 2020, 144 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-945025-88-8, 24,90 €
Erhältlich im örtlichen Buchhandel oder mit portofreiem Versand über den
HERZOG-Shop: https://shop.herzog-magazin.de/produkt/buecher/alessandro-pasqualinis-entwurfsmodell-von-1545

Wir danken der Sparkasse Düren und der Hans-Lamers Stiftung für einen Druckkostenzuschuss für dieses Buch.

 

Ausstellung "ÜberLeben in Jülich"

Das Museum Zitadelle Jülich ist wegen der Coronaschutzmaß-
nahmen geschlossen. Daher kann die Ausstellung leider nicht besichtigt werden.

Unsere Ausstellung "ÜberLeben in Jülich" befindet sich seit Mai im Schlosskeller des Museums Zitadelle Jülich - zusammen mit der Ausstellung "Bildgewaltig" des Museums

Wegen der Coronaschutzmaß-
nahmen ist das Museum jedoch leider bis einschließlich
30. November geschlossen. 

 

Doch auch virtuell können Sie sich weiterhin die Bilder unserer Ausstellung anschauen, die Erläuterungen in der Broschüre nachlesen oder sie sich bei izi.TRAVEL auch anhören.


 

Hexenturm 1945   (Quelle: Stadtarchiv Jülich)

Dezember 2020


MinervaPreis-Verleihung

Verleihung des MinervaPreises des Fördervereins Museum Jülich e.V. an Conrad Doose

MinervaPreis

November 2020


Ausstellung

Das Museum Zitadelle Jülich ist wegen der Coronaschutzmaßnahmen geschlossen.Daher kann die Ausstellung "ÜberLeben in Jülich" leider nicht besichtigt werden.

September 2020


Thema "Denkmalschutz" in der Jülicher Kommunalwahl

In den Programmen der im Jülicher Rat vertretenen Parteien zur Kommunalwahl findet der Umgang unserer Stadt mit ihrem historischen Erbe leider so gut wie keine Resonanz. Daher hat der Förderverein vier Fragen zu diesem Thema formuliert und die Parteien um deren Beantwortung gebeten.

Fragen an die Parteien

Antworten der Parteien:
SPD
JÜL
Bündnis90/Die Grünen 

Von CDU und FDP haben wir leider keine Rückmeldungen erhalten.

Juni 2020


Am 25. Juni fielen im Jülicher Stadtrat wichtige Entscheidungen:

Beschluss des Integrierten Handlungskonzeptes
Tagesordnungspunkt 11: "Integriertes Handlungskonzept (InHK)"
Sitzungsunterlagen

Festzelt im Brückenkopf:
Beschluss der Flächennutzungsplanänderung

Tagesordnungspunkt 37: "Flächennutzungsplanänderung zum Bebauungsplan Nr. A 32 "Veranstaltungspläche"
Sitzungsunterlagen

und Beschluss des Bebauungsplanes
Tagesordnungspunkt 38: Bebauungsplan Nr. A 32 "Veranstaltungsfläche"
Sitzungsunterlagen

"Festzelt" im Brückenkopf

Stellungnahme des Fördervereins und seine Forderungen an die Stadt sowie die Vorgeschichte zur derzeitigen Offenlegung von Bebauungsplan und Änderung des Flächennutzungsplans unter "Denkmalschutz und Politik" (6. Mai 2020)